Die Orgel

Das Warlitzer Instrument ist ein Unikat. Das ist bei Orgeln nichts Ungewöhnliches, da fast jede Orgel ein Einzelstück darstellt und speziell für den Raum konzipiert ist, in dem sie ein Leben lang zu stehen hat.

Orgel

Der Erbauer der Warlitzer Orgel allerdings ist in mancher Hinsicht bemerkenswert, und die Warlitzer Orgel wiederum ist außerordentlich wertvoll, weil es von ihrem Erbauer nur zwei erhaltene Exemplare gibt.

JOHANN GEORG STEIN wurde 1712 in Berlstedt bei Erfurt geboren. Er erlernte das Orgelbauerhandwerk bei seinem Onkel JOHANN GEORG SCHRÖTER. Später war für Stein die Konkurrenz allerdings so groß, dass er zunächst nach Uelzen und dann nach Lüneburg umzog und sich dort als Orgelbauer etablierte. Das Besondere an ihm ist, dass er thüringische und norddeutsche Bauprinzipien in seinem Werk verbunden hat. Ganz thüringisch ist die äußere Gestalt der Orgel: Fünfteiliger Aufbau mit trapezförmigem Mitteltum und runden Außentürmen, dazu sehr großzügig gewölbte Profilierungen, besonders an der Unterkante. Eine sehr ähnliche Bauweise haben JOHANN GEORG SCHRÖTER und JOHANN CHRISTIAN DOTZAUER in Thüringen verwirklicht.

An der Disposition ist die weite Palette an färbenden Stimmen der Achtfußtonlage thüringisch. Hier greift die Orgeltradition schon fast in die Romantik hinein.

Ein Dulcian als Zungenstimme hingegen ist eher für Norddeutschland typisch. Beim Schwesterinstrument in Trebel bei Lüchow ist es zudem der norddeutsche Werkaufbau mit Pedaltürmen.

Die Warlitzer Orgel entspricht einem Kleinorgeltyp, den STEIN mehrfach gebaut hat, z.B. in Hamburg-Finkenwerder, Dahlenburg und Celle-Neuhausen (hiervon ist heute noch der Prospekt in Steinhorst erhalten).

Im Detail ist besonders das aufwändig gefasste Schnitzwerk zu sehen, das die drei trinitarischen Symbolfarben in sich vereint. Darüber die neuen Prospektpfeifen, die rekonstruiert werden mussten, weil die Originale 1917 abgeliefert worden waren.

Im Detail ist besonders das aufwändig gefasste Schnitzwerk zu sehen, das die drei trinitarischen Symbolfarben in sich vereint. Darüber die neuen Prospektpfeifen, die rekonstruiert werden mussten, weil die Originale 1917 abgeliefert worden waren.

Zu den besonders wertvollen Details gehört der erwähnte Dulcian sowie ein Streichregister in Vierfußtonlage, die Saliciena. Beide Register gibt es aus dem Barock sonst nirgends mehr in Mecklenburg, hier in Warlitz sind sie zudem in Bass und Diskant geteilt, so dass man trotz eines Manuals das Spiel auf einer zweimanualigen Orgel vortäuschen kann. Ein Pedal hat Warlitz ursprünglich nicht besessen. Die angehängte Pedalklaviatur wurde erst 1875 durch FRIEDRICH FRIESE (III) ergänzt.

Die originalen Tasten der Klaviatur von Johann Georg Stein zeigen an den Stirnkanten die zinnernen Verzierungen, welche typisch für den Erbauer sind und seine Signatur darstellen. Die dunkleren sind original, die hellen neue Kopien.

Die originalen Tasten der Klaviatur von Johann Georg Stein zeigen an den Stirnkanten die zinnernen Verzierungen, welche typisch für den Erbauer sind und seine Signatur darstellen. Die dunkleren sind original, die hellen neue Kopien.

An weiteren Orgelbauern haben an der Orgel gearbeitet: FRIEDRICH FRIESE (I) (1813, hiervon stammt die Inschrift auf dem Notenpult), sowie CARL BÖRGER mit mehrfachen Reparaturen um 1900. Verändert haben sie nichts Wesentliches. 1917 erfolgte der einzige traurige Eingriff: Die Prospektpfeifen wurden für die Kriegsindustrie abgeführt. Sie wurden bis zur Restaurierung der Orgel nicht ersetzt, so dass diese über 80 Jahre ohne vollständiges Gesicht war und diesen Makel durch Tücher notdürftig verdecken musste.

Diesen traurigen Anblick bot die Orgelempore bis zum Jahr 2000. Die seit 1950 unspielbare Orgel war seit 1917 ihrer Prospektpfeifen beraubt, die deckenden Tücher fallen bereits wieder ab, die Farbfassung blättert ab und Schnitzwerk ist erheblich beschädigt, abgefallen oder vom Holzwurm durchlöchert.

Diesen traurigen Anblick bot die Orgelempore bis zum Jahr 2000. Die seit 1950 unspielbare Orgel war seit 1917 ihrer Prospektpfeifen beraubt, die deckenden Tücher fallen bereits wieder ab, die Farbfassung blättert ab und Schnitzwerk ist erheblich beschädigt, abgefallen oder vom Holzwurm durchlöchert.

Da im 20.Jahrhundert kaum etwas an Pflege geschah, versagte die Orgel bald nach 1948 vorläufig endgültig ihren Dienst. In jenem Jahr fertigte der Potsdamer Orgelbauer HANS-JOACHIM SCHUKE ein Gutachten an.

So zeigte sich die die Spielanlage der Warlitzer Orgel bis zum Beginn der Restaurierung Anfang der 2000er Jahre. Sie konnte ein halbes Jahrhundert lang nicht gespielt werden.

So zeigte sich die die Spielanlage der Warlitzer Orgel bis zum Beginn der Restaurierung Anfang der 2000er Jahre. Sie konnte ein halbes Jahrhundert lang nicht gespielt werden.

Vor Beginn der Restaurierung zeigte sich dieses Bild von umgeknickten und z.T. erheblich beschädigten Pfeifen. Im Vordergrund der Dulcian mit wurmzerfressenen Holzstiefeln. Im Vordergrund der Rest des Schallbechers der Trompete, die einst der Engel auf dem Orgelprospekt in Händen hielt.

Vor Beginn der Restaurierung zeigte sich dieses Bild von umgeknickten und z.T. erheblich beschädigten Pfeifen. Im Vordergrund der Dulcian mit wurmzerfressenen Holzstiefeln. Im Vordergrund der Rest des Schallbechers der Trompete, die einst der Engel auf dem Orgelprospekt in Händen hielt.

Ansicht der Windlade mit dem Zungenregister Dulcian 8' (Vordergrund) im restaurierten Zustand. Deutlich sichtbar die originalen Stiefel in der Basslage sowie die für Stein typischen runden Stockschrauben.

Darin beabsichtigte er eine modernisierende Restaurierung, wie sie damals üblich war. Dass es nicht dazu kam, ist auch wiederum ein Glücksfall, denn so konnte die Orgel wirklich fast vollständig original in ihre Wiederauferstehung gehen, die im Jahre 2002 begann.

Tasten

Die originalen Registerzüge der Orgel mit den neuen Beschriftungsschildern, hinter denen sich die originalen zu ihrem Schutz verbergen.

Nach der Restaurierung durch die Dresdner Firmen JEHMLICH und WEGSCHEIDER hat die Orgellandschaft Mecklenburgs ein wunderbar authentisches Instrument zurück erhalten. Im Einklang mit der herrlichen Akustik bietet die Orgel alles, um Musik der Rokoko-Zeit mit ihren neun Registern in allen Klangfarben strahlen zu lassen:

Manual (C,D-c³)

Principal 4’
Bordun 8’
Flauto traverso 8’
Quintadena 8’
Saliciena 4’ (geteilt)
Octave 2’
Tertian 2f.
Mixtur 3f.
Dulcian 8’ (geteilt)

Tremulant

Angehängtes Pedal (C,D-c’)

Zwei Keilbälge mit originaler Tretanlage und rekonstruierter Kalkantenglocke

Ansicht der restaurierten Orgelklaviatur. Rechts unten der später (vermutlich durch Friedrich Friese I) ergänzte Calcanten-Zug.

Ansicht der restaurierten Orgelklaviatur. Rechts unten der später (vermutlich durch Friedrich Friese I) ergänzte Calcanten-Zug.

Blick in das restaurierte Pfeifenwerk. Von oben nach unten: Principal 4' (nur partiell sichtbar), Flauto traverso 8', Bordun 8', Quintadena 8', Saliciena 4', Octave 2', Tertian 2f., Mixtur 3f., Dulcian 8'.

Näheres zur Orgelrestaurierung können Sie im Restaurierungsbericht unter http://www.jehmlich-orgelbau.de/deutsch/frame.htm nachlesen.