Die Geschichte

Bis vor kurzem schien es, als ob über den Warlitzer Kirchenbau kaum erhaltene Akten vorliegen würden. Dank gründlicher Archivstudien konnten in den letzten Jahren aber wesentliche neue Erkenntnisse gewonnen werden: Von 1735 bis zu seinem Tode war Maximilian Heinrich Ferdinand von Schütz (1692 – 1773) Besitzer des Warlitzer Gutes. Zuvor stand hier schon die kleinere Fachwerkkirche aus dem Jahr 1562, die baufällig geworden war. Hinzu kam, dass Maximilian von Schütz innerhalb kurzer Zeit seine Frau und alle Kinder verlor und somit ohne Erben war. In seiner Trauer sah er vermutlich auch einen Weg, sein Vermögen einem guten religiösen Zweck und sich selbst als Grabeskirche zukommen zu lassen.

Außenansicht der Kirche

Maximilian von Schütz entstammte der bedeutenden hessischen Adelsfamilie Sinold genannt (von) Schütz. Am 24. Juni 1692 wurde er im hessischen Butzbach (Wetterau) geboren. Sein Vater war der Stadtpfarrer und Superintendent des Kirchenkreises Friedberg, Jost Hermann Sinold gen. Schütz. Sein Großvater war der seinerzeit berühmte Justus Sinold gen Schütz, Kanzler der Universität Gießen und promovierter Jurist. Maximilian war das letzte Kind seines Vaters, der bereits ein Jahr nach der Geburt starb. Zusammen mit seinem älteren Bruder Salentin Helwig wuchs er in Hannover auf, nach dem Tod der Mutter unterstützten besonders Andreas Gottlieb von Bernstorff sowie die beiden älteren Schwestern die beiden Heranwachsenden. Die Ausbildung von Maximilian von Schütz wurde an der Ritterakademie Lüneburg sowie anschließend mit dem Studium an den Universitäten Jena und Helmstedt fortgesetzt. Seine juristische Abschlussarbeit im Jahre 1714 ebnete ihm zusammen mit der Unterstützung seines Gönners den Weg an den Wolfenbütteler Hof. 1718 wurde er von seinem damaligen Dienstherren Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg zum Hof- und Kanzleirat berufen. Dieser Titel verhalf ihm zu der Aufgabe, im Rahmen der kaiserlichen Exekution gegen den mecklenburgischen Herzog vom Jahr 1722 an in Boizenburg die Finanzkasse zu beaufsichtigen. 1728 wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Oberhauptmann ernannt. Die damit verbundene Aussicht, dereinst in gehobener Stellung seinem Herzog zu dienen, erfüllte sich nicht, denn Maximilian von Schütz beschloss im Jahre 1735, das Gut Warlitz vom Grafen Erdmann von Redern zu kaufen. Die Bewirtschaftung des Gutes verlief erfolgreich und sicherte seine weitere Existenz als nun mecklenburgischer Gutsherr. Neben den dann folgenden harten Schicksalsschlägen hatte er aber das Glück, zur rechten Zeit einem bedeutenden Mann zu begegnen: 1764 wurde Heinrich Julius Tode (1733 – 1797), Theologe aus Hamburg, zweiter Pastor in Pritzier, wohin Warlitz eingepfarrt war. Dieser Mann war ein in vielerlei Hinsicht begabter Mensch, er war neben seinem Hauptberuf Mykologe und hat außerdem für Herzog Friedrich den Frommen mehrere Texte von Oratorien verfasst, die von namhaften Komponisten der Mecklenburgischen Hofkapelle (z.B. Johann Wilhelm Hertel) vertont wurden. Jedoch führte seine Amtseinführung in Pritzier zu einer heftigen Auseinandersetzung mit dem ersten Prediger Georg Ludwig Neubauer (1693 – 1775), in deren Verlauf Tode so attackiert wurde, dass Maximilian von Schütz ihm im Warlitzer Gutshaus Asyl bieten musste. In dieser Zeit dürften beide den Plan zur Erbauung der Kirche gefasst haben. Maximilian von Schütz wusste von Todes mathematischen und künstlerischen Fähigkeiten und übertrug ihm, der aufgrund des Konfliktes in Pritzier beurlaubt war, den Kirchenbau als Aufgabe. Von 1767 bis 1771 leitete Tode dann den Bau der Kirche. Allerdings versäumte Maximilian von Schütz die Anmeldung des Kirchenbaus nach Maßgabe des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs von 1755 (§ 501), was einen anonymen Bewohner dazu veranlasste, ihn diesbezüglich anzuzeigen. Das daraus resultierende Ermittlungsverfahren ging glimpflich aus, da Schütz den Antrag gleich nach Bekanntwerden der Anzeige nachholte. Dadurch konnte es dann doch eine festliche Einweihung des Gotteshauses geben, die am 10. Juni 1770 (Sonntag Trinitatis) mit zahlreichen Gästen stattfand.

Engel

Da Maximilian von Schütz dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg entstammte, wurden überwiegend Künstler aus dieser Region verpflichtet. Das betrifft insbesondere den Orgelbauer Johann Georg Stein aus Lüneburg sowie den braunschweigischen Hofbildhauer Johann Heinrich Oden. Dieser hat die drei Engelfiguren sowie die Vasen und Schnitzwerke in besonders herausragender Qualität ausgeführt. Ausgemalt wurde die Kirche durch Joachim Heinrich Krüger aus Wismar.

Malerei

Die Warlitzer Kirche ist aus Feldbruchsteinen erbaut. Diese Bauweise ist Material sparend, hatte aber die Verputzung des Äußeren der Kirche erfordert. Dieser Putz kann jedoch nicht lange gehalten haben, denn zumindest seit hundert Jahren ist die äußere Erscheinung als Feldsteinkirche überliefert. Jedoch war die Wiederherstellung des Putzes dringend geboten, denn Feuchtigkeit konnte ungehindert in das Mauerwerk eindringen und es zerstören.

Gesichert ist der Erbauer der kleinen Barockorgel: Johann Georg Stein, Orgelbauer aus Erfurt, der sich später in Uelzen und Lüneburg niederließ und von dort aus viele Orgeln geliefert hat. Nur zwei Instrumente sind bis heute erhalten, die Warlitzer Orgel ist die einzige Stein-Orgel Mecklenburgs.

Orgel

Die von Johann Georg Stein erbaute, am 18. Mai 1770 abgenommene und am 10. Juni 1770 geweihte Orgel mit 9 Registern und angehängtem Pedal, 2004 durch die Dresdner Firmen Jehmlich und Wegscheider restauriert.

Die aufwändigen und qualitätvollen Schnitzarbeiten sind sicher auf Entwürfe von Heinrich Julius Tode selbst zurück zu führen, dessen Vorlagen für die Kupferstiche in seinen Veröffentlichungen große Ähnlichkeiten aufweisen, besonders die beiden Vasen betreffend. Auffällig ist die Ähnlichkeit der Wolkengloriole auf dem Altar mit einer Darstellung auf dem Lettneraltar in St.Nikolai Stralsund. Dort soll die Arbeit nach einem Entwurf des berühmten preußischen Künstlers Andreas Schlüter gefertigt worden sein. Dies könnte als Anregung im Entwurf berücksichtigt worden sein.

Schnitzarbeiten an der Orgel

Vermutlich anlässlich des hundertjährigen Bestehens ist die Kircheneinrichtung 1868 einmal sparsam überholt worden. Ansonsten geschah kaum etwas an verändernden Eingriffen, was aus heutiger Sicht als außerordentlicher Glücksfall gewertet werden kann. Die Kirche ist mit Ausstattung und sogar originaler Farbfassung völlig original erhalten. Kurz vor der politischen Wende 1989 war die Situation der Kirche allerdings so dramatisch geworden, dass an ihrem weiteren Erhalt gezweifelt werden musste. Doch nach einer erfolgten Notsicherung konnte das Schlimmste abgewendet werden, und mit der Gründung des Fördervereins im Jahre 1999 begann die schrittweise Wiederherstellung. Höhepunkte waren die Erneuerung des Dachstuhles, die Verputzung des Äußeren, die Restaurierung der wertvollen Barockorgel im Jahre 2004 sowie Restaurierung der gesamten Altarfront durch die Dresdner Restauratorenwerkstatt von Hilke Frach-Renner. Diese fand im Jahr 2008 ihre Fortsetzung mit der Arbeit an den Sakristeianbauten, dem Gemeindegestühl sowie den wertvollen, wahrscheinlich von Heinrich Julius Tode selbst gemalten Grisaillegemälden mit Gleichnisszenen. Auch die Eingangsportale wurden inzwischen saniert und die Gruft der Familie Sinold genannt von Schütz erhielt eine neue Sandsteinabdeckung nach altem Vorbild. Vor allem aber ist die Warlitzer St. Trinitatis-Kirche wieder ein lebendiger Ort des gefeierten Gottesdienstes und Heimat zahlreicher Konzerte geworden, in welchen die wunderbare Musik der Frühklassik durch zahlreiche auch zu Warlitz in Beziehung stehende Komponisten einen Schwerpunkt bildet. Wie inzwischen festgestellt wurde, hat Maximilian von Schütz in der kurzen Zeit bis zu seinem Tod im April 1773 regelmäßig Kirchenmusiken veranstaltet, die damals noch auf der nur für diese Zwecke gedachten Orgelempore stattfanden. Unter anderem für diesen Zweck stellte er einen eigenen Hofprediger und Musiker an: Johann Caspar Bing (1744 – 1783) stammte aus Gamstädt bei Gotha und studierte wie Maximilian von Schütz in Jena. Am Dritten Weihnachtstag 1771 hielt er in Warlitz seine Antrittspredigt. Ziel von Maximilian von Schütz war, dass von nun an wöchentlich in Warlitz gepredigt und musiziert wurde. Da Pritzier als Mutterkirche dieses Privileg hatte, genehmigte der Herzog die Zusatzgottesdienste aber nur unter dem Vorbehalt, dass kein weiterer Bewohner und nicht einmal das Personal an ihnen teilnehmen durfte. Johann Caspar Bing predigte und musizierte also für Maximilian von Schütz allein. In den regulären Gottesdiensten, die von Ostern bis Michaelis alle 14 Tage nachmittags und an den dritten Feiertagen der Hochfeste stattfanden, leitete er die Figuralmusik auf der Orgelempore. Nach dem Tod seines Dienstherren am 14. April 1773 wurde er Kantor in Gadebusch, womit die kurze kirchenmusikalische Hoch-Zeit in Warlitz ein Ende fand.

Maximilian von Schütz‘ Trauer um den Verlust seiner gesamten Familie ließ einst den Kirchenbau entstehen mit dem Vermächtnis, dass die Nachkommen seiner Untertanen den geistlichen Auftrag, den dies Gebäude verkörpert, durch Gottesdienste und geistliche Musik erfüllen mögen. Diesem Vermächtnis sollen auch in Zukunft alle gottesdienstlichen Feiern und geistlichen Konzerte, die in Warlitz stattfinden, entsprechen.