Glocken

Die beiden originalen Glocken aus dem Jahre 1769 sind leider 1942 im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden. Lediglich die gusseisernen Klöppel liegen noch im Turm. Die 1962 angeschaffte große Glocke ist eine Eisenhartgussglocke, deren Haltbarkeitsdauer nunmehr abgelaufen war. Der Neuguss von zwei Glocken wurde im Frühjahr 2011 bei der Glockengießerei Perner in Passau durchgeführt. Dabei wurden auch die originalen lateinischen Inschriften wieder verwirklicht. Ihr Text weicht deutlich von der gewohnten Vulgata-Fassung ab, weswegen frühere Forscher (u.a. Friedrich Schlie) nicht ihre biblische Verortung feststellen konnten. Der Text entstammt der humanistischen Bibelfassung von Sebastian Castellio (1515 – 1563). Die größere Glocke zitiert Psalm 66,8: Commendate, populi, Deum nostrum, eius laudationis voce personantes („Lasst uns, Leute, unseren Gott mit klingender Stimme loben“). Die kleinere enthält eine Kurzfassung von 1. Kor 13,1: Christianus caritatis expers aes resonans est aut cymbalum tinniens („Der Christ, welcher der Liebe entbehrt, ist ein tönend Erz oder eine klingende Glocke“). Damit vertreten die beiden Glocken symbolisch das Gutsherrenpaar. Die größere ist der Patron, er ruft seine Untertanen zum Gottesdienst; die kleinere mahnt zu tätiger Nächstenliebe, worum sich damals besonders die Gutsherrin kümmerte: Ohne die nachfolgende Tat bleibt der Kirchgang eine nutzlose Äußerlichkeit. Auf der größeren Glocke ist auch wieder das Wappen der Familie Sinold gen. Schütz angebracht: Eine Hirschstange mit acht Zinken sowie der Sechsstern als Adelszeichen des landgräflichen Hauses Hessen-Darmstadt.

Am 19. Juni 2011 erfolgte mit der Glockenweihe die Indienststellung des neuen Geläutes. Die neuen Glocken werden nach wie vor von Hand geläutet, auch damit wird der besonders originalen Überlieferung des Warlitzer Kircheninventars entsprochen. Durch ein integriertes Gegengewicht lassen sich beide Glocken trotz der geraden Joche problemlos von einer Person läuten.

Die Glocken sind auf die Töne a‘ und cis“ gestimmt. Die aus dem Zusammenklang resultierende große Terz ist mit Orientierung an der aufgeklärten Weltsicht jener Zeit gewählt: Die Bevorzugung der Dur-Tonarten prägt besonders die Kirchenmusik des empfindsamen Stils. Zu den historischen Schlagtönen der originalen Glocken von Johann Armovitz (Lübeck) gab es zu wenig Anhaltspunkte.

Die große Terz umfasst außerdem drei Töne im Ganztonabstand, womit symbolisch auch die Trinität abgebildet wird. Der mittlere Ton wird durch die  Ersatzglocke repräsentiert, welche ihn 50 Jahre hat erklingen lassen.

Diese Interimsglocke von 1962 (Ton h‘) ist derzeit als Denkmal an der Südseite des Kircheninneren aufgestellt.

Links die kleine Glocke mit Gegengewicht (rechts)

Links die kleine Glocke mit Gegengewicht (rechts)